Vom Selbst- und Andersdenken

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Foto: Grips Theater

„Reicht es nicht, wenn einer denkt?“ Unter anderem dieser Frage gingen hundert Kinder am 30. Juni auf dem diesjährigen Berliner Kinderkongress der GRIPS Werke e.V. zum Thema Selbstbestimmung nach. Die Zeit war knapp, die Runde groß, das Thema knifflig. Dennoch ergab die Pro- und Kontra-Diskussion, die wir führten, eine klare Antwort: Es reicht keinesfalls, wenn einer denkt, und sei er oder sie der/die Schlaueste von allen, wie es sich etwa Platon überlegt hatte. Der meinte, der Philosoph solle einfach König werden. Weil er wisse, was für alle und jeden Einzelnen das Beste sei.

So einfach sei das aber nicht, waren sich die Kinder schnell einig. Schließlich könne auch der Klassenbeste nicht wissen, was etwa der Vater eines Mitschülers gut findet und was nicht. „Jeder hat sein eigenes Wissen!“ lautete die Quintessenz des rasanten Gesprächs. Auch denke jeder etwas anders und komme zu anderen Ergebnissen. Aus diesen Gründen müsse jeder selbst nachdenken, seinen eigenen Verstand benutzen. Warum dies Mut erfordere, wie Kant behauptet, haben wir nicht abschließend klären können. Vielleicht greifen ja die Lehrer, die dabei waren, die Frage noch einmal im Unterricht auf. Dann wieder ohne Mikrofon und Bühnentechnik.

Kinderkongress zum Thema Selbstbestimmung

Logoleiste_Kiko_langWie schon in den vergangenen beiden Jahren, veranstalten die GRIPS Werke e.V. in Kooperation mit vier Berliner Grundschulen und dem GRIPS Theater auch in diesem Jahr einen Kongress, der ganz allein dem Austausch und der Zusammenarbeit von Kindern gewidmet ist: Beim 3. Berliner Kinderkongress 2014 werden rund 100 Kinder im Alter von 10 und 11 Jahren zusammenkommen und sich der Frage stellen, wie sie Schule gestalten würden, wenn sie in dieser Frage zu entscheiden hätten. Ihre Ideen und Gedanken diskutieren und analysieren sie vier Tage lang in Workshops zu Theater, Musik, Tanz, Kreativem Schreiben, Performance, Kunst, Journalismus und Film.

Begleitet werden die Kinder dabei von Künstlern und Kulturschaffenden sowie Experten aus der Philosophie, Soziologie und Pädagogik. Auch Die kleinen Denker sind in diesem Jahr dabei, unter anderem beim Kongressauftakt am 30. Juni 2014. Über das, was an diesem Tag passiert, werden wir hier berichten. Weitere Informationen zur Veranstaltung erhält man schon jetzt unter diesem Link.

WER BESTIMMT HIER WEN - 3. Berliner Kinderkongress - Vorbereitungstreffen
Auf einem Treffen im Frühjahr bereiteten sich Teilnehmer und Kursleiter schon einmal gemeinsam auf den Kongress vor. (Foto: Aline Reinsbach)

Fragen und Themen

Kurzmitteilung

Liebe Kinder, liebe Pädagogen, Eltern, Philosophen, wir freuen uns auf Eure/Ihre Themenwünsche für das nächste Halbjahr. Bitte sendet uns/senden Sie uns diese an die E-Mail-Adresse fragen@diekleinendenker.de. Wir sind gespannt und grüßen herzlich! Das Kleine-Denker-Team

Woher kommen wir? Ein Vormittag zur Erkundung einer uralten Frage

 Wo liegen unsere Wurzeln? Auf den ersten Blick scheint die Antwort auf der Hand zu liegen. Wir kommen von unseren Eltern, also anderen Menschen. Nur – woher kamen diese? Und woher die allerersten Menschen? Diese Frage erkundeten am Samstag, den 30. November 2013, neun Kinder der Kita Die Pfiffigen Kobolde in der brandenburgischen Gemeinde Steinhöfel.

An vier Stationen diskutierten die Kinder mit Franziska Henning die verschiedenen Antwortmöglichkeiten. Dass wir nur das Ergebnis der Evolution sind, erschien dabei nur der Hälfte von ihnen plausibel. Auch die Idee, dass Menschen einst von Außerirdischen auf dem Erdenplaneten ausgesetzt worden sind, überzeugte sie nicht. Schöpfermythen wie auch Aliengeschichten seien, so urteilten sie einstimmig, ein Produkt der menschlichen Fantasie und hätten nichts mit der Realität zu tun. Eine letztgültige Antwort, so resümierten Die pfiffigen Kobolde schließlich, sei wohl noch nicht gefunden. Aber vielleicht werden sie selbst ja bald noch eine Antwort auf diese Frage finden.

Viel mit Büchern

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Einen reichhaltigen Bücherberg stellte Ines Lucht den Teilnehmern des Themenabends am 17. Oktober 2013 vor. Neben Bilderbüchern war auch einiges an Fachliteratur darunter (Foto: Eva Stollreiter / Die kleinen Denker).

Vom Philosophieren mit Kinderbüchern war bei den kleinen Denkern in der vergangenen Woche gleich mehrfach die Rede. Neben einem eintägigen Seminar für die Berliner Lesepaten, das über das Weiterbildungszentrum der FU Berlin angeboten und von Eva Stollreiter geleitet wurde, fand am Donnerstag der Themenabend „Mit Bilderbüchern über Tod und Sterben nachdenken“ mit Ines Lucht statt.

Der Großteil des Erlöses von Ines Luchts Veranstaltung geht unmittelbar in Kinderbücher für den Bücherbus der Fahrbibliothek Berlin-Mitte, mit dem die Bibliothekarin Tag für Tag in Berlin unterwegs ist. Das Seminar von Eva Stollreiter, „Die großen und die kleinen Fragen: Gespräche mit Kindern über Gott und die Welt“, wird im Februar und März des kommenden Jahres erneut angeboten. Mehr Informationen hierzu finden Sie im neuen Programm des Weiterbildungszentrums.

Erstes Netzwerktreffen PmK-Praxis

Kurzmitteilung

Am 27. September 2013 fand im Kolleg für polnische Sprache und Kultur das erste Netzwerktreffen der kleinen Denker statt. Für einige der sechs Teilnehmer bedeutete das ein Wiedersehen, die meisten begegneten sich in diesem Rahmen jedoch das erste Mal.

Gegenstand des Treffens waren Gesprächsanlässe: Ein Comic, ein Ratespiel, ein Gedankenexperiment – der Abend machte Lust auf Praxis, Methodenvielfalt und weiteren Austausch. Das nächste Treffen findet am 8. November 2013 statt. Ansprechpartnerin ist Eva Stollreiter (eva.stollreiter@diekleinendenker.de).

Zu Gast bei Knietzsche

Das zweite Treffen des fortlaufenden Kurses „Philosophieren“ war in diesem Halbjahr besonders aufregend: Knietzsche, der kleine Fernsehphilosoph der ARD, hatte die ganze Gruppe zu sich ins Studio in der Pohlstraße eingeladen. Was die Neun- bis Elfjährigen über das Glück so denken, wollte Aufnahmeleiterin Lena Keune von den Kindern wissen.

Juri war der Mutigste: Er traute sich als Erster ins Einzelinterview, während wir anderen möglichst leise im Nebenraum über die drei Filme diskutierten, die uns das Mitarbeiterteam von VisionX zur Begrüßung gezeigt hatte. Da ging es um das große wie das kleine, aber auch das geteilte Glück. Ganz uneingeschränkt zustimmen konnte die Gruppe den ganzen Unterscheidungen und Erklärungen von Knietzsche natürlich (wie immer) nicht und so entstand eine lebhafte, wenn auch von Lampenfieber geprägte Diskussion.

Katharina, Marie, Johanna, Java, Juri und Vincent – am Ende war jeder im grünen Studio über das Glück, aber auch andere Themen befragt worden. Im November gehen die Beiträge in der ARD-Themenwoche dann auf Sendung. Das wird wohl erneut ziemlich aufregend. Danke für die Einladung, lieber Knietzsche!

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Knietzsches Studiogäste v.l. n.r.: Juri, Marie, Katharina, Johanna, Vincent und Java (Foto: Eva Stollreiter / Die kleinen Denker)

 

Unser Herbstprogramm ist online

Wir freuen uns, Ihnen mit Schuljahresbeginn auch unser Herbstprogramm vorlegen zu können! Neuerungen sind neben einem Kurs zum Thema Freundschaft für Kinder zwischen 8 und 10 Jahren auch die Netzwerkabende für Praktiker im Philosophieren mit Kindern. Unser besonderer Dank gilt daneben erneut der Bibliothek am Luisenbad, die uns für den herbstlichen Themenabend „Mit Bilderbüchern über Tod und Sterben nachdenken“ mit Ines Lucht den herrlichen Puttensaal zur Verfügung gestellt hat. Besonders schön wäre es, wenn an diesem Abend auch einige Eltern den Weg zu uns fänden. Wir freuen uns auf spannende Gespräche!

Outlaw gGmbH feiert Abschluss der ErzieherInnen-Akademie

Am 17. April fand in der Kita Alt-Wittenau der Outlaw gGmbH Berlin die feierliche Abschlussveranstaltung der ErzieherInnen-Akademie „Philosophieren mit Kindern in der Kita“ statt. Wir gratulieren allen TeilnehmerInnen der Weiterbildung zum erfolgreichen Abschluss und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit! Einen Bericht zur Veranstaltung und dem dazugehörigen Akademiegedanken finden Sie unter diesem Link auf der Website des Trägers.

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Foto: Outlaw gGmbH